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Vergangenheit in der Gegenwart

Vergangenheit in der Gegenwart

1 Zur Einführung

Hi | Bonjour | Buenos Dias | Buongiorno | Salve | Jambo | Goedendag | jó nap | أهلا وسهلا! | 你好/您好 | 良い一日 | God Dag | Guten Tag ...

Dies ist die LiteFassung des "Euthanasie"-Opfer-Gedenkblogs für Erna Kronshage - für einen kompakten Überblick - kurz & knapp & leicht verständlich ...




Video-. Bilder-, Hör-Bausteine - in dieses NS-"Euthanasie"-Opferschicksal:


Zum Einstieg ist  ein 84-seitiges Online-Bild/Doku/Fakten-Magazin zum Anclicken installiert - und eine YouTube-Playlist mit 6 Videos/Audios - auch zur Auswahl - mit insgesamt ca. 60 Minuten Länge: 
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Die ausgewerteten Quellen: Die Kopie der "Erbgesundheitsakte" Erna Kronshage, einschlägige Literatur (s. 21: Quellen und Literatur), Archive, originales und themenillustrierendes Bildmaterial ...


2 ERNA KRONSHAGE -



ERNA KRONSHAGE [link]
geboren 12.12.1922 | ermordet 20.02.1944

21 Jahre | 69 Tage | 12 Stunden | 30 Minuten
EIN OPFER DER NS-ZWANGSSTERILISATION UND DER "EUTHANASIE"




3 Der Mühlenkamp - Senne II No. 6 - Geburtshaus und Wohnung von Erna Kronshage

Foto von ca. 1940
Graphik nach dem Foto oben - S!NED! 2014


Graphik von Horst Wasgindt 1980 für das Heimatbuch Senne II / Sennestadt





















Der Mühlenkamp - heute Verler Straße 76 in Sennestadt - 2012

4 Ernas kleine Welt


Ernas "Kleine Welt" als Globus:



  • in der Mitte die Lage des heutigen "Stolpersteins" zum Gedenken (roter Punkt) Verler Straße/Ecke Krackser Straße am Fußgänger-Überweg der Ampel-/Schrankenkreuzung - 
  • in der Nähe der Bahnhof Sennestadt (im Volksmund Bahnhof "Kracks") - 
  • und darüber, hinter der Bahnschiene, das Bauerngehöft "Mühlenkamp" (rot gerastertes Viereck) - heute Verler Straße 76 - 
  • unten am "Südpol" dieses Globus: Hotel Wintersmühle mit Teich und Bienenzucht - 
  • zu Ernas Lebzeiten ist hier eine klappernde Wassermühle mit Mühlrad - man kauft hier aber auch Düngemittel, Hühnerfutter und landwirtschaftliche Utensilien ...





Die Gegend "Ernas Kleine-Welt" als Map und Google Satellitenbild - mit Bahnhof Kracks/Bahnhof Sennestadt, dem Mühlenkamp (auf dem Satelliten-Bild weiß eingekreist), dem früheren Gutshof Westerwinter, und Winters Mühle (heute Hotel Wintersmühle) ...




Das rote Planquadrat in der Mitte entspricht dem Ausschnitt oben ....

5 Familie Kronshage - Gruppenbild mit Erna


Gruppenbild mit Erna - 
Die Familie Kronshage - um ca. 1930



Obere Reihe - Johanne (Hanna) *1913, Martha *1911, Frieda *1909, Emma *1906, Lina *1903, Heini *1905, Willi *1917, Ewald *1919

Untere Reihe - ERNA *1922, Anna *1902, Mama Anna *1879, Papa Adolf *1876, Adolf *1899




6 Erna wächst heran - in einen "neuen Geist" ...



"Klein"-Erna im Garten (ca. 5 Jahre alt) - in "Holschken" (Holzschuhen) - fast scheint sie sich vor Freude um ihre eigene Achse zu hüpfen

obere Reihe v.l.n.r.: 1. ca. 5 Jahre - 2. ca. 8 Jahre - 3. ca. 15 Jahre - 4. ca. 17 Jahre - 5. ca. 18 Jahre - sie hat sich das Militärkäppi ihres Bruders ausgeliehen - 6. als Brautführerin bei der Hochzeit der Schwester: ca. Anfang 1940 - 7. und 8. ca. Ende 19 Jahre ... - 
untere Reihe: 1. Ausflug Schulklasse: Erna weiß eingekreist - ca. 11 jahre alt - 2. mit ihrer Schwester am Handwagen - 3. Erna trägt einen ihrer kleinen Neffen auf dem Arm ...

Erna beim Wäschewaschen - hinterm Haus am Brunnen mit dem Waschbrett ...



Zum Heranwachsen Erna Kronshages ist auch zu erwähnen:
Am 1. Mai 1933, Erna ist da 10,5 Jahre alt, wird in der Gemeinde Senne II  - vielleicht 60-80 Meter vom "Mühlenkamp" entfernt - von der
Hitler-Jugend eine sogenannte „Hitler-Eiche“ gepflanzt (s. kleine Karte li.: Mühlenkamp = weiß eingekreist - "Hitler-Eiche" = roter Punkt - s. Foto unten)

Ein neuer Geist“ hat die Senne erreicht - und auch Erna nimmt das wahr,
und diese NS-Umwelt prägt ab jetzt entscheidend ihr Leben ...



(Bild: Pflanzen einer "Hitler-Eiche"| Quelle: dorsten-unterm-hakenkreuz.de)

             





























Erna mit ca. 18 Jahre: Sie hat sich das Militärkäppi eines Bruders ausgeliehen ...































Dieses ist in der zeitlichen Abfolge wohl das letzte Foto von Erna Kronshage (ca. 1941) - im Original s/w - hier nachträglich coloriert ... (vgl. Abschnitt 2)

7 Schulzeit



1. Gemeindeschule Senne II
Erna Kronshage besucht vom 01. April 1929 bis zum 20.März 1937 die 1. Gemeindeschule Senne II:

Erna ist eine gute Schülerin - "ein Rennpferd in der Klasse ", wie eine Mitschülerin sie 60 Jahre später bezeichnet: Der Notenschnitt im Abschluss-Zeugnis: 1,78 ...

Und ein weiterer Zeitzeuge erinnert sich im Alter von über 80 Jahren daran, dass Erna Kronshage ihm als kleinem Nachbars-Jungen beim Lesen-, Schreiben- und Rechnen-Lernen geduldig geholfen habe "in ihrer ruhigen Art" ...  

Vergrößern: anclicken



Die Original-Unterschrift von Erna Kronshage in der "Sütterlin-Handschrift", die in den 20er / 30er Jahren noch in der Schule als "Schönschrift" gelehrt wurde. 


Vergrößern: anclicken



































8 "Haustochter"


Erna rangiert den großen Handwagen auf dem Hof um eine Eiche, an der die zu "bewachenden" Berufspendler-Fahrräder lehnen - im Hintergrund am Nachbarhaus das angebaute "Schweinehöffken" ... 
Ernas tägliches Einerlei: Kühe melken, Ernte, Feldarbeit, große Wäsche hinterm Haus am Brunnen auf dem Rubbel-Brett, das Vieh füttern u.a.m.
"Party" im Mühlenkamp: Die "großen" Brüder Ewald und
Willi - da ist die Welt noch in Ordnung ...
Erna Kronshage arbeitet nach der Schulzeit ab 1937 im elterlichen Landwirtschafts-Haushalt als "Haustochter". 

Das war damals ein für junge Frauen ganz normaler Anlern-Beruf bei freiem Wohnen und freier Verpflegung sowie Taschengeld und Versicherung - gedacht zur "Überbrückung" bis zur eigenen Heirat ...

Die Brüder werden ab 1939 zum Militärdienst eingezogen  - und die älteren Schwestern haben bis dahin schon nach und nach das Elternhaus verlassen, um  eigene Familien zu gründen.

Die Eltern sind deshalb auf Ernas Mithilfe bei der täglichen Arbeit unbedingt angewiesen ...


Erna muss tagsüber auch auf Fahrräder Acht geben, die die Berufspendler im Mühlenkamp abstellen, wenn die mit dem Zug vom Bahnhof gleich nebenan fahren ...





Ihre ehemaligen Mitschülerinnen trifft Erna, wenn die mit dem Zug vom Bahnhof nebenan zur Arbeit fahren und dazu ihre Fahrräder im "Mühlenkamp" zur "Bewachung" abstellen. 

Diese Begegnungen mit Gleichaltrigen wecken in Erna Kronshage ebenfalls Sehnsüchte nach eigener Berufsausbildung mit mehr Abnabelung von Zuhause - also ganz "normale" Bestrebungen für eine heranwachsende Frau ...



9 Bomben aus heiterem Himmel

Am 01. September 1939 überfällt auf Befehl Hitlers die deutsche "Wehrmacht" den Nachbarstaat Polen, wodurch dann der 2. Weltkrieg ausgelöst wird.

















Bomben aus "heiterem Himmel"


In der Nacht zum 2. Juni 1940 wirft ein britischer Militärflieger Bomben auf den benachbarten Gutshof Westerwinter - knapp hinter der gegenüberliegenden Straße - ca. 70 bis 80 Meter vom Mühlenkamp entfernt ... 

Beim Bombenabwurf werden das Wohnhaus sowie mehrere Nebengebäude getroffen und teilweise zerstört. 

Durch einstürzendes Mauerwerk wird die erst 22-jährige Nachbarin getötet, der Freund wird schwer verletzt ... Da Erna beide gut kennt, sitzt bei ihr dieser Schock tief ... - 

Daneben wächst auch die Angst um ihre als "Wehrmachts"soldaten an die Front abkommandierten Brüder ... 
Ein Bombentrichter (weißer Ring - roter Pfeil im Vordergrund) - im Hintergrund der Mühlenkamp (hinterer roter Pfeil): Das Foto lässt die Nähe der Bombeneinschläge zum Wohnplatz der Familie Kronshage gut erkennen



2 x getroffener Gutshof Westerwinter



Rote Punkte: Ungefähre Einschläge der britischen Fliegerbomben - Rot gestrichelte Linie: Distanz zum "Mühlenkamp" (jeweils eingekreist) ...

10 Einweisung

Blick auf Mühlenkamp mit Nebenhaus

Im Herbst 1942 wachsen die inneren und äußeren Spannungen und Belastungen Erna Kronshage endgültig über den Kopf: 

Sie verweigert lustlos ihre Mitarbeit und widersetzt sich den Anweisungen der Eltern: Sie steht frühmorgens nicht pünktlich auf und nörgelt über ihre vertrackte Situation.
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Aus 13 werden 3 - ...Erna erlebt Vereinsamung in ihrer ursprünglichen Großfamilie



Mögliche Ursachen für diese „Widersetzlichkeiten“ :
  • „Vereinsamung“ als jüngstes Kind einer 13-köpfigen Ursprungsfamilie, die nun zu einer 3-köpfigen Kleinstfamilie zusammenschrumpft ...
  • Ein innerer Konflikt: Erna Kronshage ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit im familiären Schoß und gleichzeitig ihrem Wunsch nach mehr Selbstständigkeit; 
  • Der Bombenangriff „aus heiterem Himmel“ mit Tod, Verletzungen und Zerstörungen auf den Nachbarhof hat bei ihr Ängste ausgelöst und der Schock sitzt tief –  dazu die Angst um die Brüder an der Kriegsfront  ... 
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Emblem-Brosche der NSV-Schwesternschaft
Als eines Morgens die Gesundheitsfürsorgerin des Bezirks - eine sogenannte "Braune Schwester" (wegen der braunen Tracht der NSV-Schwesternschaft - NSV = Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) sich nach der 
abwesenden Erna erkundigt, beklagt sich Mutter Anna: "Erna bummelt plötzlich - sie ist so widersetzlich und widerspenstig und lungert bis nachts bei einer Nachbarin herum" ...

Im "Mühlenkamp" als landwirtschaftlicher Versorgungsbetrieb müssen die amtlichen NS-Ausführungsbestimmungen zur „Sicherung der Ernährung des deutschen Volkes“ exakt befolgt werden. 


Um auch die Freistellungen Ernas von damals üblichen NS- und BDM-Dienstverpflichtungen junger Mädchen und Frauen zu rechtfertigen, wird ihre volle uneingeschränkte Mitarbeit als „Haustochter“ auf dem Hof auch von Staats wegen per Verordnungen eingefordert. 

Ihre Bummeleien werden also durchaus zum „Politikum“, denn es gibt keinerlei objektive Legitimation für ihre Verweigerungshaltungen, keinen „Gelben Schein“, wie das heutzutage heißen würde ... 

Die involvierte „Braune Schwester“ sieht in den Bummeleien Ernas durchaus Unregelmäßigkeiten mit einem Handlungsbedarf - und nimmt deshalb eine "Vorbegutachtung" mit einem Fragebogen vor. 

Sie schickt Erna Kronshage zu einer Untersuchung beim amtsärztlichen Dienst.

Erna fährt mit ihrer Schwester zum Untersuchungstermin dorthin. … 

Ob es sich dabei um eine Untersuchung durch den Amtsarzt Bielefeld-Land selbst, Dr. Alfred Rainer, oder um eine Untersuchung durch einen der diensthabenden Nervenärzte in der zuständigen Fürsorgestelle handelt, ist unsicher .

Das richtete sich danach, wie die Vorbegutachtung durch die Fürsorge-Schwester ausgewertet wurde ...

Erna jedenfalls benötigt dringend nach eigenem Befinden eine "Auszeit".

Sie fragt deshalb nach einer Überweisung in die Heilanstalt in Gütersloh. 

Dort erhoffte sie sich die gleiche "Hilfe", wie sie ihre Schwester Frieda dort drei Jahre zuvor wegen eines Erregungszustandes erlebt hatte. 

Schon nach 4 Wochen Kurzaufenthalt konnte die Schwester damals ohne Nachsorge-Anordnungen wegen der inzwischen erlassenen "erbgesundheitlicher Bestimmungen" [! - s. dazu auch Abschnitt 14] entlassen werden ...

Der untersuchende Arzt weist Erna Kronshage deshalb zur weiteren Abklärung in die Provinzial-Heilanstalt Gütersloh ein. 

Da Ernas Vater sorgeberechtigt ist (Erna ist noch nicht volljährig) ist an ihn diese Einweisung adressiert  … - 

Was jetzt genau geschieht, liegt etwas im Dunkel ... - fest steht jedoch... -



- ... Erna lässt sich vom Vater diesen Arztbrief aushändigen.

Sie übergibt ihn wohl in einer Art Kurzschlusshandlung einem Polizeibeamten in einem zufällig dort parkenden Streifenwagen 
(so erinnerte jedenfalls Ernas Schwester Hanna die Situation ca. 50 Jahre später)

Was zunächst ziemlich "verwirrend" wie eine unverständliche "Selbsteinweisung" wirkt, macht in Bezug auf Ernas "Selbsterhaltungs-Willen" dann doch wieder einen "vernünftigen" Sinn. 

Zum ersten Mal nämlich löst sich Erna aus der Bevormundung ihrer Eltern.

Sie trifft mit der außergewöhnlichen Übergabe der Einweisungs-Papiere an einen Polizisten selbstständig eine Entscheidung für sich und ihrem persönlichen Wohlergehen: 
Sie will sich in der "Heil"anstalt in einer "Auszeit" wieder "herstellen" lassen - wenn es sein muss eben auch gegen den Willen der Eltern, die ja auf ihre Einsatzfähigkeit angewiesen sind, und die ihre Erna in diesen Zeiten nicht entbehren wollen. 

Nach Einblick in die Papiere und dem auffälligen Benehmen der total nervösen Erna organisiert der Polizist mit der "Braunen Schwester" die Einweisung in die Provinzial-Heilanstalt Gütersloh - als eine gemeingefährliche Kranke“.

So heißt das damals auf "amtsdeutsch", wenn man vielleicht sich und der Allgemeinheit mit seinen Handlungen in irgendeiner Weise gefährlich werden könnte  ...

11 Provinzialheilanstalt Gütersloh - als neues "Zuhause" für Erna Kronshage

"Ansichtskarten" aus der Heilanstalt Gütersloh 30er/40er Jahre ...

Erna Kronshage erreicht am 24.10.1942 die Provinzial-Heilanstalt Gütersloh. 

Sie kommt ohne Vorwarnung in dieses für sie fremde "Klima" mit eigenartigen menschlichen Verhaltensweisen.

Die Betten befinden sich in einem großen Krankensaal. 

Es gibt dort glänzend gebohnerte Klinikflure und es riecht nach Desinfektionsmittel ...


Bettensaal - hier als Werk der Fotokünstler MENG Jin & FANG Er, China: Titel: Zimmer mit Aussicht, 1999-2002,
photo-edition 3/6 - auf der NordArt in Rendsburg


Nachempfundener Ausschnitt aus einem Bettensaal | "Psychiatrie-Museum" LWL-Klinik Warstein




Die Anstalt arbeitet nach den damals modernsten Behandlungsmöglichkeiten. 

Die verordneten Tabletten und Spritzen haben aber oft eine unangenehm stark beruhigende und ermüdende Wirkung.

Man verabreicht für sogenannte "Schocktherapien" sogar Spritzen, deren Inhalte gezielt Krampfanfälle auslösen, damit sich die auf-geregten Patienten wieder ab-regen sollen.

Weiterhin setzt man für alle Patienten fest geregelte Beschäftigungen in der Land- oder Hauswirtschaft ein oder in handwerklichen Werkstätten. 

Erna Kronshage schält also wie Zuhause Kartoffeln und macht Gartenarbeiten - genau die Tätigkeiten, denen sie ja eigentlich entfliehen wollte ... 


Aufwachen nach einer Krampf-/Schocktherapie (Insulin, Cardiazol, EKT)




"Aktivere Krankenbehandlung": Kartoffelschälküche
vergrößern Bildquelle: Euthanasie-Stiftung 
(und dort auch weitere Infos)































EINSCHUB

Am 1. September 1939 eröffnet Adolf Hitler den Krieg nach außen (mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen) -  
und ebenso den Krieg nach innen durch Unterzeichnung eines streng geheimen sogenannten Gnadentod-Erlasses ("unheilbar Kranke", die dem Staat nur Geld kosteten und nichts einbrachten, sollten von ihren Leiden durch einen "Gnadentod" "erlöst" - also umgebracht werden)

Die Provinzial-Heilanstalt Gütersloh ist an diesen 100.000-fachen Krankenmorden durch gezielte "Verlegungen" von Patienten ab 1940 in die eigens dafür eingerichteten Vernichtungsanstalten mitbeteiligt ... 

Und bereits bei Ernas Ankunft dort ist Gütersloh in die von Hitler mit Beginn des Krieges angeordneten NS-Krankenmorde mit verstrickt. Erna selbst ahnt wahrscheinlich nichts davon


Blanko-Meldebogen - von Ärzten auszufüllen - zur "Euthanasie"-
Aktion der T4-Zentrale in Berlin:
Ein rotes Plus bedeutete den sicheren Tod -
ein blaues Minus - 
bedeutete Leben ...
(aus dem Archiv Bethel) hier vergrößern






































Für diese Verlegungen und Abschiebungen werden fleißig für alle Insassen Güterslohs gezielt entwickelte Melde- und Fragebogen ausgefüllt. 

Es werden auch pünktlich die Anträge an die Erbgesundheitsgerichte zur gezielten "Unfruchtbarmachung" nach dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" von 1934 gestellt. 

Damit sollte gewährleistet sein, dass diese "unheilbar Erbkranken" nicht auch noch Kinder zeugen oder gebären, in dem man sie durch eine Operation für immer unfruchtbar machte. 

Die dem NS-Staat hilfswillige Gütersloher Heilanstalts-Direktion und das Arztpersonal dort sind fast durchweg Parteigenossen in der NSDAP. 

Propaganda-Plakat 30-er/40-er Jahre
Bereits von 1940 bis 1941 sind so im Rahmen der ersten zentral gesteuerten Tötungsaktion T-4 (benannt nach der Berliner Zentrale dieser geplanten Massenmorde in der Tiergartenstraße 4) über 350 Menschen aus Gütersloh in die Vernichtungsanstalten transportiert und anschließend hauptsächlich durch Giftgas vernichtet worden. 

Darunter waren bereits 1940 zu Beginn alle Patienten jüdischen Glaubens. 
Nach den Protesten der Kirchen (besonders Bischof Clemens August Kardinal Graf von Galen in Münster und Pastor Gerhard Braune, Anstalt Lobetal/Bethel) stellt Hitler diese erste Welle der Krankenmorde ("T-4-Aktion") 1941 zunächst wieder ein. 

Jedoch werden sie nach nur einer kurzen Weile noch umfangreicher "hinter vorgehaltener Hand" - besonders ab 1943 - mit Hilfe verschiedener "todsicherer" Vernichtungspläne an verschiedenen Orten in aller Konsequenz fortgesetzt ...




An die ermordeten Patienten aus Gütersloh erinnern und mahnen seit 2014 - 70 Jahre nach diesen mörderischen Aktivitäten - ein Leuchtband mit den eingravierten 1.017 Opfer-Namen in der Kreuzkirche, der Klinikkirche auf dem LWL-Gelände in Gütersloh - und ein Stein-Obelisk auf dem alten Anstalts-Friedhof.


Leuchtband mit 1.017 Opfer-Namen in der LWL-Klinikkirche Gütersloh mit der Namensgravur: "Erna Kronshage"